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Michael Endes Momo – Wer steckt hinter den grauen Herren?

Durch Zufall bin ich kürzlich auf einen Klassiker der Deutschen Jugendliteratur aufmerksam geworden – Das Buch Momo von Michael Ende. In meiner Schulzeit hatte ich das Buch nicht gelesen und so holte ich das kurzerhand nach. Und ich muss sagen, dass mich dieses Buch beeindruckt hat. Bereits 1973 (!!!) beschreibt hier Michael Ende viele bedenkenswerte Trends unserer modernen Gesellschaft: Die Menschen laufen immer schneller im Hamsterrad und haben immer weniger Zeit mit all seinen Folgen. Menschliche Begegnungen kommen zu kurz, Schnellrestaurants boomen, monotone Schlafstädte werden aus dem Boden gestampft, ja und selbst für die eigenen Kinder bleibt kaum noch Zeit. Sie werden stattdessen zur Betreuung abgegeben bzw. mit Spielzeugen überhäuft. Das Bild, das Michael Ende hier von unserer Gesellschaft beschreibt, hat mich berührt und ich musste mir eingestehen, dass ich auch öfters so ein Erwachsener bin, der ständig keine Zeit hat.

Im Buch sind die Bösen, die Schuld an dem ganzen Dilemma haben, die grauen Herren. Ihr Ziel ist es, den Menschen die Zeit zu klauen. Ganz geschickt schaffen sie es, die Menschen glauben zu lassen, sie müssten Zeit bei der Zeitsparkasse sparen. So kommt es schließlich, dass alle nur noch durch den Tag hetzen und keiner mehr seine Mitmenschen sieht.

Doch wer steckt hinter den grauen Herren? Welche Parabel zeichnet hier Michael Ende durch seine Erzählung? Eine kurze Recherche bei Wikipedia ergibt: Ende kritisiere mit seinem Buch unser Geldsystem.

Ich bin kein Experte für Geldpolitik, aber auch einem Laien entgeht nicht, dass die Menge an verfügbarem Geld in den letzten Jahren unheimlich zugenommen hat. Es steht immer mehr Geld zur Verfügung, das die Immobilienpreise und Aktienkurse in die Höhe treibt und das arbeiten und weiter Gewinn abwerfen soll. Vielleicht sind das die grauen Herren, die in Endes Erzählung immer mehr von unserer Zeit und letztendlich Lebensqualität abhaben wollen?

Aus meiner Sicht ist dieser Mechanismus eine Komponente unseres auf immerwährenden Wachstum ausgerichteten Wirtschaftssystems. Und diese Wirtschaftsweise ist es, die an vielen ökologischen und sozialen Verwerfungen unserer Zeit Schuld ist. Ich finde es zutiefst traurig, dass zur Bewältigung der Corona-Krise eine weitere Finanz-Bazooka abgefeuert wird, anstatt diese Zäsur zu nutzen, um wirtschaftlich umzusteuern.

An der ÖDP überzeugt mich, dass sie klar formuliert: „Wir müssen anders wirtschaften, weg von den Wachstumszwängen unserer Zeit.“ Doch wie könnte ein anderes Wirtschaftssystem aussehen? Eine eindeutige Antwort ist mir nicht bekannt, schließlich liegen dazu zu wenig Erfahrungen vor. Die ÖDP hat einen Anfang gemacht, Antworten zu finden und kürzlich ein Symposium zu genau diesem Thema veranstaltet: „Wirtschaft ohne Wachstumszwang!“. Sie können eine Aufzeichnung dieser Veranstaltung im Internet finden unter

https://www.youtube.com/watch?v=7jQB3czRv-I

oder Sie besuchen eine unserer Veranstaltungen hier in Hamburg und kommen mit uns ins Gespräch. Wir würden uns freuen, Sie kennenzulernen.

Hannes Lincke, Schatzmeister

Autor/in:
Dr. Hannes Lincke
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Wichtiger Hinweis:
Blogbeiträge stellen die persönliche Meinung einzelner Parteimitglieder dar. Diese kann in Einzelfällen von der Programmlage der Partei abweichend sein. Auch ist es möglich, dass zu einzelnen Themen und Aspekten in der ÖDP noch keine Programmlage existiert.