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Wohin mit dem Schlick?

Wer schon einmal als Kind am Strand nahe der Wasserkante gebuddelt hat kennt das Problem vielleicht: Kaum ist das Loch gebuddelt und Wasser eingetreten, brechen die Seitenwände ein, trägt die Welle neuen Sand in die Kuhle. Dieses Geschehen ist kinderleicht zu verstehen und doch anscheinend bei der Planung der Elbvertiefung nicht ausreichend berücksichtigt worden.

Denn nun, nachdem die Arbeiten nahezu abgeschlossen sein sollten, stellt sich die HPA die Frage: Wohin mit dem Schlick. Der nicht nur einmalig beim Ausbaggern auf die gewünschte Elbtiefe entsteht, sondern immer und immer wieder. Wie in den letzten Jahren vor der Vertiefung bereits, nur in noch größeren Mengen. Denn was sich auch anhand einer selbst gebuddelten Kuhle am Strand beobachten ließe: Je breiter und tiefer der gebaggerte Graben, desto mehr und desto schneller, mit mehr Fließkraft, strömt Wasser aus dem Meer mit jeder Welle hinein, bringt durch seine Kraft auch mehr Sand mit und zieht die Seitenwände stärker in Mitleidenschaft. Genau das ist es, was bei der Elbvertiefung zwar in der Planung bereits vorgesehen, für dessen Problematik aber anscheinend nicht ausreichend für eine Lösung gesorgt wurde. Ansonsten würden nun nicht erneut Diskussionen aufbrennen, wo der – zudem vom Hafen mit Schadstoffen belastete Schlick – zu entsorgen sei.

Dass dieser noch stärker als in der Planung berechnet zunimmt, ist auch den sinkenden Niederschlägen der letzten Jahre geschuldet. Diese sorgen durch niedrigere Wasserstände der Elbe für eine geringere Flussgeschwindigkeit und einen geringeren Rückfluss der Sedimente aus dem Hafen Richtung Meer. Naja, dass die Niederschlagshöhen durchaus schwanken ist natürlich, dass die Niederschlagsmengen grundsätzlich durch den Klimawandel sinken ist jedoch keine Neuigkeit des letzten Jahres. Ein nicht mit Sicherheit zu berechnender Faktor hätte meiner Meinung nach aufgrund der bekannten Auswirkungen des Klimawandels mit eher sinkenden Niederschlagsmengen berücksichtigt werden müssen, nicht mit der positiven Erwartung wieder ansteigender Niederschläge. Nun steht die Stadt Hamburg vor einem Dilemma: Sie hat die Elbvertiefung politisch abgesegnet und durchgeführt; auf Kosten des Steuerzahlers wurde die Infrastruktur für die steigenden Containerumschläge bereits angepasst. Nun einen Rückzug zu machen, „nur“ weil niemand weiß wohin mit dem immer mehr werdenden Schlick?!

Ich denke, es wäre an der Zeit erneut und fallbezogen das durch Covid-19 entstandene Diskussionsthema aufzugreifen: Wie viel Wachstum ist nötig und möglich? Der Hamburger Hafen ist nicht die ideale Anlaufstelle für die heutzutage gebauten Containerschiffe. Er soll künstlich, um weiterhin ein Wirtschaftswachstum verzeichnen zu können, dahin getrimmt werden. Doch geschieht dies auf Kosten der Natur (über Hamburgs Grenzen hinaus) und auf Kosten der Lebensqualität, wenn man die zunehmende Feinstoffbelastung und Diskussionen über die Öffnung der Dove-Elbe mit einbezieht.

Ich denke, es ist an der Zeit, dass sich Politik mehr traut und der Wirtschaft Grenzen aufweist, wo diese aus Angst vor fehlender Wettbewerbsfähigkeit und sinkender Umsätze Grenzen überschreitet. Es ist auch an der Zeit, dass Kooperation, z.B. die der (inter-)nationalen Häfen gefördert und gefordert wird entgegen der Angst vor fehlender Wettbewerbsfähigkeit und sinkendem Innovationsdruck. Die Forderung nach einem EU-weiten Hafengesetz, das eine Größenbegrenzung für die in Asien gebauten Containerschiffe vorsieht, ist vor allem angesichts eher sinkender Umschlagszahlen längst überfällig. Ein weiteres Wachstum ist, wie man auch an dem geplanten Ausbau der Infrastruktur im Hinterland auf bewaldeten und bewohnten Flächen sieht, häufig nur noch zu Lasten des Umweltschutzes und der Lebensqualität der Anwohner möglich. Hamburg sollte als Weltstadt Vorreiter sein und versuchen, Wirtschaft und deren Ziele auch und vor allem für den wirtschaftsrelevanten Hafen neu zu denken und alternative Anreize bieten. Ich bin froh, in der ÖDP eine Partei gefunden zu haben, die ebenso daran glaubt, dass ein Umdenken in der Wirtschaft erforderlich und die gegen die Elbvertiefung ist.

Karlotta Ahrens, Schriftführerin

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