22. März 2009 - von DAVID PERTECK
Tödliche Schusswaffen gehören prinzipiell nicht in die Hände von Privatpersonen und dürfen erst recht nicht in Privathaushalten gelagert werden. Deshalb muss das Waffengesetz endlich angemessen verschärft werden. Die sozialen und persönlichen Verhältnisse werden immer wieder Amokläufer hervorbringen. Aber der gewöhnliche Waffenschein und das bisherige Waffenbesitzrecht erhöhen das Risiko ganz enorm.
Leider handeln Politik und Medien oftmals unter dem Einfluss von Wirtschaftslobby und Waffenindustrie. Dies begünstigt offensichtlich Kriege, Gewalttaten und nicht zuletzt Amokläufe. Hätten Privatpersonen keinen Zugang zu Waffen, dann hätte sich auch der Täter von Winnenden nicht eine der Waffen und die Munition seines Vaters beschaffen können. Dann wären nicht erneut 16 Menschen, einschließlich des Amokläufers selbst, in Deutschland erschossen worden. Denn zu diesem Zweck, um Menschen oder Tiere zu töten, werden Waffen eben ursprünglich hergestellt.
Wer Schusswaffen wirklich von Kindern und Jugendlichen fernhalten will, der muss die Gesetze für Produktion, Verbreitung und Besitz der tödlichen Waffen endlich radikal verschärfen. Schießsport kann auch ohne Lagerung von Waffen und Munition in Privathaushalten ausreichend betrieben werden. Menschenleben müssen unendlich höher gewertet werden als der Anspruch, privat Waffen zu besitzen und erst recht höher als die Profitinteressen völlig skrupelloser Waffenproduzenten.
Die Bekundungen und Aussagen etablierter Politiker sind größtenteils sehr scheinheilig, wenn ihre Parteien zugleich Spenden von der Waffenindustrie erhalten, ähnlich wie beim Thema Alkohol- und Tabakmissbrauch unter Jugendlichen. Offenbar hat die Waffenlobby einen wesentlich größeren Einfluss auf die etablierte Politik als das Recht auf Leben und Unversehrtheit der betroffenen Menschen. Anders sind die absolut unsäglichen Äußerungen und Ablenkungen etwa von Bundesinnenminister Schäuble (CDU) nicht zu erklären, schärfere Gesetze hätten Bluttaten wie die Amokläufe von Erfurt und Winnenden an deutschen Schulen nicht verhindern können. In England etwa gelten wesentlich schärfere Waffengesetze als in Deutschland. Je weniger Waffen, desto weniger Straftaten.
Die Diskussionen über soziale und psychologische Erklärungen und Veränderungen bleiben fruchtlos, wenn der Zugang zu Waffen nicht verändert wird. Ohne private Lagerung gäbe es keine erhöhte Gefahr des illegalen Zugangs. Und ohne Waffe keinen Amoklauf! Ob die verantwortlichen Politiker sich wohl genauso für die Waffenlobby einsetzen würden, wenn ihre eigenen Familien von einem Verbrechen mit Schusswaffen betroffen wären?
Jeder Politiker, der etwa im Innenausschuss oder im Verteidigungsausschuss des Bundestages für die Waffenlobby arbeitet, ist ein Mittäter an Amokläufen ebenso wie an Kriegsverbrechen. Gleichgültig, ob Politiker sich wegen Wahlergebnissen, aufgrund von Parteispenden oder für spätere Karriereaussichten zu Handlangern der Waffenindustrie machen. In der Bundesregierung und im Bundestag herrscht unter den Parteien die Divise vor: "Deutschland, einig Waffenland!" Dabei will eine große Mehrheit der Deutschen keine Waffenlobbyisten mehr als Politiker. Das sollten wir bei der Bundestagswahl endlich deutlich machen.
Es ist ehrenwert, wenn einige Waffenbesitzer jetzt ihre Schusswaffen freiwillig abgeben, solange der Gesetzgeber hier nicht verantwortlich handelt. Besser spät als nie. Absolute Sicherheit wird es nie geben. Dennoch ist ein gesellschaftliches und politisches Umdenken auf allen Ebenen erforderlich, um Amokläufen und anderen Schreckenstaten in Zukunft vorzubeugen. Dazu gehört eine soziale Verurteilung der Waffenlobby und eine politische Abstrafung der selbsternannten Volksparteien, die offenbar im bezahlten Auftrag der Waffenindustrie gegen die eigene Bevölkerung handeln. Und dazu gehört neben einer wirksamen Verschärfung der Waffengesetze insbesondere eine gezielte Weiterbildung der Lehrer und eine Kultur der Aufmerksamkeit an Schulen und in Familien.
Der Grund des Übels ist jedoch die Waffenindustrie und ihre Verflechtung mit den etablierten Parteien, deren Auswirkungen schließlich ebenfalls in sogenannten Killerspielen und gewaltverherlichenden Darstellungen in den Medien zu betrachten sind.