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21. Januar 2009 - von DAVID PERTECK
In einem Interview mit der Tageszeitung hat die Hamburger Bildungssenatorin Christa Goetsch (GAL) die Kooperation von Hamburgs Schulen mit dem Energiekonzern Vattenfall verteidigt. Obwohl Unternehmen wie Vattenfall an Schulen unterrichten und eigene Lehrmaterialien stellen, gäbe es keine Abhängigkeit von der Wirtschaft und keine Werbung an Schulen, behauptet Goetsch. Die Ökologisch-Demokratische Partei (ödp) hat den Vorgang, Vattenfall an Schulen über Klimaschutz informieren zu lassen, bereits vor seinem Beginn unter der früheren Senatorin Dinges-Dierig (CDU) verurteilt.
David Perteck, Bundestagsspitzenkandidat der ödp Hamburg, äußert sich zu den neuerlichen Darstellungen der GAL-Senatorin wie folgt: „Der Energiekonzern Vattenfall darf sich also unter einer grünen Senatorin in Hamburgs Schulen weiterhin als Klimaschützer verkaufen. Dies tut er einzig und allein zu Werbezwecken und zur eigenen Imagepflege. Vattenfall soll über Klimawandel, Solar- und Windenergie aufklären, seine Rolle als gefährlicher Umweltzerstörer und wesentlicher Mitverursacher der Klimakatastrophe verschweigt er dabei allerdings. Das ist genauso, als würde man die Drogenmafia über Suchtprävention oder Waffenproduzenten über Friedensforschung an der Schule unterrichten lassen. Vattenfall als Klimalehrer ist so glaubwürdig wie ein vegetarischer Löwe.“
Der Energiekonzern rückt mit seiner so genannten Klimaakademie an Schulen an, mitsamt Klimabus, Klimakoffer und Strommessgeräten für die von Vattenfall ausgewählten Schulen. Selbsternannte Klimaexperten des Unternehmens beraten Lehrer und Schüler der neunten und zehnten Klassen über Klimawandel und Klimaschutz, etwa über Einsparung von Wasser und Strom für Beleuchtung. An einem ersten Durchgang waren in Hamburg 30 Schulen beteiligt, von denen zehn für eine langfristige multimediale Vattenfall-Energiekontrolle ausgewählt werden. Das Ganze schlachtet Vattenfall schließlich in ca. fünfminütigen Werbefilmen weiter kommerziell aus (Vattenfall Klimaakademie bei Business TV im lokalen Fernsehsender Hamburg 1). Unter dem Motto „Hamburgs Schüler machen sich stark für den Klimaschutz! - Präsentiert von Vattenfall!“ betreibt der Konzern eine äußerst zweifelhafte Imagewerbung. Die zumeist bereits für Umweltprojekte ausgezeichneten Schulen dürfen ihre Leistungen vorstellen und der Konzern rühmt sich der großzügigen Kooperation mit ihnen. Begriffe wie Klimakatastrophe, Klimaerwärmung, Treibhauseffekt, geschweige denn Kohlekraft oder Atomkraft bekommt man in diesen Werbefilmen direkt aus öffentlichen Hamburger Schulen freilich nicht zu hören.
David Perteck verurteilt das Verhalten der Grünen, die in Brandenburg einen sofortigen Stopp der Vattenfall-Klimaaktion fordern, an der Regierung in Hamburg aber selbst dafür verantwortlich sind: „Frau Goetsch zeigt mit ihrer Unterstützung dieser widersinnigen Klima-Farce einmal mehr die absolute Unglaubwürdigkeit der GAL in Bildungs- wie in Umweltfragen gleichermaßen auf. Erst wird das Kohlekraftwerk Moorburg entgegen allen Wahlversprechen von den Grünen genehmigt und dann lassen sie den so genannten Klimakiller direkt in die Klassenzimmer und Köpfe unserer Kinder einmarschieren. Unabhängige Bildung und wirklicher Klimaschutz werden vom schwarz-grünen Senat zu Grabe getragen.“
Wird hier also eindeutig der Bock zum Gärtner gemacht? Werden die Klimaexperten von Vattenfall ebenso in die endgültige Klimakatastrophe führen wie die unzähligen Finanzexperten in die Weltfinanzkrise? „Bei uns ist das Klima richtig gut! So soll es auch in Hamburg werden!“, hatte Christa Goetsch gerufen, bevor ihre Partei zum Steigbügelhalter und Mehrheitsbeschaffer einer kohlrabenschwarzen CDU wurde. Hauptsache also, zwischen schwarz-grünen Politikern und zahlender Wirtschaftslobby herrscht ein richtig gutes Klima!